ES KÖNNTE ALLES SO EINFACH SEIN

  • Freitag, 07 Juli 2017 13:52
  • geschrieben von  Steffi

Kürzlich in der Küche. Mit der Freundin.

Freundin: Sag mal, schneidest du Zwiebeln etwa noch mit Messer und Brett?

Noch nicht ganz klar, wohin mich die Frage führen wird, beantworte ich sie mit einem zaghaften »ja«.

Freundin: Also da musst du schon den Zwiebel-Turbo-XXL-Killer-Schneider verwenden, der macht das für dich! Und wenn du das Maxi-Super-Zubehör noch dazu nimmst, dann musst du gar kein Gemüse mehr schnippeln!

Der zukunftsweisende Monolog hielt noch etwas an, allerdings war ich inzwischen mit Kochen fertig und konnte mir den Rest während des Essens anhören. Fast hätte ich dabei meinen Einsatz verpasst, meine Freundin schaute mich nämlich schon eine Weile erwartungsvoll an.

»Ja, also ich mag es eher bescheiden.
So the simple life-mäßig...«

Jetzt ist es wieder an ihr, mich erneut fragend anzublicken. Und das, obwohl ich doch extra so ein modernes englisches Wortspiel mit reingepackt hatte.

Eine Erklärung blieb ich ihr zunächst schuldig, denn ich musste erst noch eine Weile selbst darüber nachdenken. Was hatte ich ihr denn eigentlich damit sagen wollen bzw. was störte mich überhaupt so am Gemüse-Fortschritt? Denn prinzipiell verwende ich selten das Wort bescheiden.

Nicht, dass ich im Gold bade, aber warum es mir gerade in diesem Moment so plötzlich über die Lippen gekommen ist, verwundert mich. Dann fallen mir aber nach und nach immer mehr Momente ein, in denen ich mich gefragt habe, ob es überhaupt noch jemanden gibt, der ohne einen XXL-Turbo im Leben zurecht kommt. Oder benötigt man inzwischen für alle Aktivitäten im Leben eine Profi-Ausrüstung?

Erst vor einer Weile rief man wegen mir beinahe die Bergrettung. Nicht etwa weil ich beim Selfie-Fotografieren eine Schlucht hinabgestürzt war (wäre durchaus vorstellbar), sondern weil ich auf einer leichten Wanderung keine sportiven Schuhe mit extra Erinnerungssohlen mit dem passenden atmungsaktiven Outfit getragen habe. Stattdessen lösten meine Sneaker, die Jeans und das T-Shirt große Verunsicherung bei den Mitwandernden aus: Würde ich die »Wanderung« zum Gasthof überleben? Und genau an dem Punkt stellt sich bei mir eine gewisse Genervtheit ein.

Kann man denn nichts mehr einfach tun?
Betonung auf einfach tun.

Wenn ich beschließe, Mandalas zur Entspannung auszumalen, dann nehme ich die nächstbesten Stifte in die Hand und lege los. Da muss ich mir nicht gleich bei Faber Castell ein Profi-Set holen. Und Radfahren funktioniert auch ohne 736 Gänge und einem im Rad integriertem Pulsmesser, der mir sagt, dass ich jetzt gleich erschöpft vom Fahrrad fallen werde.

Ob man es glaubt oder nicht: Vieles im Leben funktioniert noch bestens ganz ohne App, Profi-Ausstattung oder Atmungs-Erinnerungs-Gedöns. Und wenn Ihr die nächstbesten Stifte mal nicht finden solltet, dann schneidet doch ganz bescheiden mit dem Messer ein bisschen Gemüse. Auch sehr entspannend. Und gesund. Da agiert man zwar nicht wie ein XXL-Turbo-Killer – trotz Messer in der Hand – aber man geht das Leben mal wieder schlicht und einfach an.

Ich verspreche euch auch eine wirkliche Überlebenschance. Nehmt meinen bescheidenen Rat an und es könnte nicht nur einfach sein, es ist so einfach.

Text: Stefanie Lehnert

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