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I am not crazy!

  • Samstag, 24 Dezember 2016 15:21
  • geschrieben von  Steffi

„Ach komm, das ist doch nicht normal! Wer macht denn bitte so etwas?“ Ich schimpfe noch weitere fünf Minuten vor mich hin und suche einen neuen Parkplatz.

Gar nicht mal so einfach, es ist Wochenende und ich kaufe mal wieder zur gleichen Zeit mit dem Rest der Welt ein.
Während ich also genervt suche, ärgere ich mich maßlos darüber, wie jemand sein Auto auf eineinhalb Parkplätzen abstellen kann, das nicht (!!!) beim Aussteigen sieht und dann einfach einkaufen gehen kann.

„Das ist doch nicht normal!“, motze ich abends weiter.

„Da kann mir doch keiner erzählen, dass man das nicht sieht!“ Reaktion meines Gegenüber: „Warum setzt ausgerechnet du den Maßstab für normal oder nicht normal. Dir ist es doch sonst immer so wichtig zu betonen, dass kein Gesetzbuch definiert, wie man sich normal zu verhalten hat.“ Ich denke nach. Habe ich tatsächlich schon öfter so gesagt. Natürlich meinte ich nicht jenes Gesetzbuch, wo so Dinge drin stehen wie nicht stehlen und so. Sondern ein solches für zwischenmenschliche Situationen.

Der Fragenkatalog

Habe ich also nicht Recht, wenn ich jemanden für nicht normal halte, weil er scheiße parkt? Und was mache ich womöglich, das sich im Grenzbereich zu „sie ist nicht ganz normal“ befindet? Die Frage wäre vermutlich einfach zu beantworten, wenn Ihr bei meiner Familie oder bei meinen Freunden nachfragen würdet. Will ich jetzt aber eigentlich auch wissen. Ich frage das mal für Euch nach. Moment. So, hier also die Antworten auf die Frage: Was ist nicht normal an mir?

Freund: Wenn ich zu dir sage, dass die Ampel grün ist, flippst du total aus, dass du doch nicht zu blöd zum Fahren bist. Das ist definitiv nicht normal. Das war schließlich nur eine Aussage, keine Unterstellung.

Schwester: Du fragst mich bei Gerichten, bevor du sie bestellst, ob sie dir schmecken werden bzw. ob du sie essen kannst. Und was soll das, dass man bei dir nur auf dem Festnetz anrufen darf, wenn man stirbt? (*Anmerkung der Redaktion: die zahlreichen Punkte auf Ihrer Liste konnten leider aus Platzgründen nicht alle dargestellt werden. **Und wer wissen möchte, welche Hintergründe die Sache mit dem Festnetz hat, darf gerne an die Redaktion schreiben.)

Kater: Du schläfst nachts!?!? Das ist doch die beste Zeit für Spiel und Spaß. Überhaupt nicht normal. Ich werde dich weiterhin wecken!

Das Fazit – nach meinen Maßstäben

Vielleicht keine gute Idee gewesen, das nachzufragen. Naja, zusammenfassend würde ich aber trotzdem sagen,
dass man beim Parken doch eindeutig zwei weiße Linien sieht, zwischen denen man stehen sollte. Da gibt es also nicht viel zu diskutieren. Absichtlich falsch parken ist also eindeutig nicht normal. Mich auf eine grüne Ampel aufmerksam zu machen, ohne Hintergedanken, wäre nur normal, wenn ich blind wäre. Gut, dann stellt sich vermutlich die Frage, was ich hinter dem Steuer eines Autos mache. Also wie man es auch nimmt, ich rea-giere völlig angemessen. Gemessen an meinem Maßstab.

Und sind wir ehrlich zueinander. Den haben wir doch alle meistens für uns selbst definiert. Und findet man Gleichgesinnte, dann entstehen tatsächlich Freundschaften, denn nur untereinander fällt man nicht aus der
Reihe und muss sich womöglich noch für Festnetz-Regeln rechtfertigen. Vielleicht könnte ich mir im Bereich Regeln für das Festnetztelefon noch Freunde suchen. Da will mich bisher keiner verstehen. Aber alle werden jetzt sicher verstehen, warum ich diese Kolumne mit den Worten von Sheldon Cooper beende: „I‘m not crazy, my mother had me tested!“

Text: Stefanie Lehnert

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