Wohlfühlen? Nein, danke!

  • Donnerstag, 31 März 2016 00:00
  • geschrieben von  Steffi

Für 2015 habe ich nicht nur ein Unwort des Jahres, sondern gleich einen ganzen Satz: „Ich muss mich ja wohlfühlen“. Gut, wenn das so ist, dann können wir ab sofort alle im Jogging zur Arbeit fahren, nur zweimal die Woche duschen und einen täglichen Lieferdienst bei einer Fast-Food-Kette buchen. So pflegen wir unser Wohlstandsbäuchlein und können entspannt vom Sofa aus dünne Models beschimpfen.

Bei meinen intensiven Gedankengängen habe ich mir natürlich erst einmal überlegt, in welchem Zusammenhang ich Gleichberechtigung überhaupt sehe: Frauen und Männer, Mitarbeiter und Chefs, Frauen und Frauen, Handtaschen und Rucksäcke... Und da fiel mir plötzlich etwas ein. Vor einer ganzen Weile hat ein ehemaliger Kollege einmal eine interne Mitarbeiter-Hierarchie erstellt. Natürlich nur als Spaß, aber es steckte doch eine Prise Ernst dahinter. Seine Reihenfolge sah von wichtig bis unwichtig wie folgt aus: Männer, Männer in Vollzeit, Männer in Teilzeit, Frauen in Vollzeit, Frauen in Teilzeit, Auszubildende.

Ich habe es satt, mich wohlzufühlen!

Mir war das im vergangenen Jahr aber nicht genug und vom Wohlfühlen hatte ich wortwörtlich genug. Warum? Weil ein gesundes Äußeres nicht nur eine persönliche Sache ist, sondern man doch auch gern für seine Mitmenschen attraktiv aussehen möchte. Da können jetzt gern alle motzen, dass man doch nur für sich selbst abnehmen sollte, aber das finde ich eben nicht. Natürlich sollte ich gern in den Spiegel schauen können, aber dies tue ich ja nicht den lieben langen Tag lang, sondern ich bin ja auch unter Menschen, die mich anschauen müssen.

Tschüss 24-Monate-Winterspeck!

Lange Rede kurzer Sinn. Das Wohlfühlen hatte im Sommer 2015 sein Ende. Ich habe mir mit meinen überschüssigen Pfunden nicht mehr gefallen und besonders attraktiv sah mein 24-Monate-Winterspeck zu keiner Jahreszeit für keinen aus. Hosen waren zu eng, Oberteile mussten immer häufiger in Größe L statt M gekauft werden und das Selbstbewusstsein blieb irgendwann auf der Strecke. Und hier habe ich dann auch das größte Problem mit der Wohlfühl-Taktik aufgedeckt. Solange ich mir einrede, dass ich mich genau so wohl fühle, muss ich auch nichts in meinem Leben verändern. Bedeutet, keine Anstrengungen in Kauf nehmen, keinen Ehrgeiz entwickeln. Beides wäre nämlich notwendig, um etwas zu ändern und mich aus dem trügerischen Gefühl „alles ist in Ordnung“ zu befreien. Also habe ich es „einfach“ angepackt.

Essverhalten studieren!

Ich habe mir klargemacht, was ich eigentlich den ganzen Tag über so esse und warum ich dies tue. Es war nämlich nicht nur der Hunger, wie man vermuten könnte, sondern es waren häufig auch Langeweile, Belohnungen für stressige Tage oder einfach nur eine Beschäftigung zum Fernsehen. Dann kam erschwerend hinzu, dass man im Alltag ja gerne abends kocht, mittags ist dafür oft wenig Zeit und so packt man sich dann eben zu später Stunde leckere Kohlenhydrate auf den Teller. Und anschließend landet man dann müde und vollgegessen auf dem Sofa.


Mit diesen „Fehlern“ konnte ich mir relativ schnell einen Plan für die Zukunft machen. Wichtig war mir dabei, dass es umsetzbare Ziele sein müssen, denn sonst endet das Abnehmen schnell in Frustration und letztendlich im Aufgeben. Zukünftig sollten es also nur noch drei Mahlzeiten am Tag sein. Zum Frühstück ließ ich mir völlig frei, was ich gern essen wollte, schließlich habe ich zu dieser Uhrzeit noch nie drei Tafeln Schokolade verputzt. Mittagessen plante ich einen Mittelweg zwischen „es muss mir schmecken“ kombiniert mit weniger Kohlenhydraten. Letztere sollten dann aber abends komplett wegfallen. Snacks und süße Belohnungen waren erst einmal gestrichen. Irgendwo muss man schließlich auch konsequent durchgreifen. Dann noch aktuelles Gewicht festhalten, BMI prüfen, Wunschgewicht festsetzen und los!

Und jetzt 6 Monate später?

Es war nicht leicht aus dem Wohlfühlen auszubrechen und sich die ersten Wochen selbst zu disziplinieren. Es gab Tage, an denen ich völlig verzweifelt war, wie es all die schlanken Menschen nur schaffen, schlank zu bleiben und trotzdem das Leben und Essen zu genießen. Aber dann kamen auch die Erfolgserlebnisse. Anfangs waren es purzelnde Kilos, dann irgendwann saß die Lieblingsjeans wieder etwas lockerer und man schaute wieder gern in den Spiegel.

Und wenn es mal richtig schwer war?

Dann habe ich auch mal gesündigt und mir etwas „gegönnt“, aber jetzt eben in Maßen und nicht mehr „die ganze Packung“. Und ein hilfreicher Tipp einer sportlichen Freundin war, dass Hunger auch oft mit Durst verwechselt wird. Also holte ich mir leckeren ungesüßten Tee und trank einfach mehr. Gesund ist das sowieso, also doppelt gepunktet.

Heute blicke ich auf über 12 verlorene Kilogramm zurück und freue mich nicht nur über mich selbst, sondern auch über sehr nette Komplimente meiner Mitmenschen. Und wohlfühlen tu ich mich jeden Tag. Aber eben in Echt. Nicht in Eingeredet.

Text: Stefanie Lehnert

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