Der Frühling fällt aus!

  • Samstag, 21 März 2015 00:00
  • geschrieben von  Steffi

Hier ist gleich Sommer. Anders kann ich das Verhalten meiner Mitmenschen Anfang März nicht deuten. Eingewickelt in meinen Wintermantel, einen XXL-Schal und der Sitzheizung auf höchster Stufe, war ich im Auto auf dem Weg zur Arbeit. Hier passierte ich dann zwei junge Menschen auf dem Gehweg.

Zunächst nur irritiert von deren luftigen Outfits, unter anderem in Form von T-Shirts, (es lag noch Schnee), verlor ich dann aber beinahe die Kontrolle über mein Auto, denn die beiden waren barfuß unterwegs. Weiß jetzt auch nicht so genau, was sie denn für eine Erwartung an die Sonne an diesem Tag hatten.

 

Ich bin da irgendwie Jahreszeiten-Spießer.

Im Winter friere ich und halte mich mit Lebkuchen und Glühwein warm, im Frühling gönne ich mir dann (höchstens) eine Lage Kleidung weniger. Im Sommer beschwere ich mich andauernd über die Hitze und im Herbst spekuliere ich bereits, wie viel Schnee uns dieses Jahr wohl erwartet. Ich mag es, mich angepasst zu verhalten. Ich brauche kein Wintergrillen, keine Sommer-Schnee-Bar und keine Schwimmbad-Besuche im Frühling.

Vergangenes Wochenende habe ich mich aber doch zu einem Besuch im Biergarten überreden lassen. Hier wird samstags gegrillt. Zwar aktuell nicht unbedingt in meinem Jahresplan vorgesehen, aber man ist ja jung und flexibel und weiß, dass es auch Plätze im Innenbereich gibt. Im Warmen. Per WhatsApp erklärte mir dann meine Schwester, dass sie für alle im Freien reserviert hat.

Blick auf die Wetter-App: 4 Grad. Ja, kann man machen, muss man aber nicht. Auf mein Nachfragen, ob das nicht etwas optimistisch sei, meinte sie, in der Sonne sei es sehr warm. Jetzt habe ich nicht Wetterfrau studiert, aber grundsätzlich würde ich schon sagen, dass die Sonne im Winter und Sommer unterschiedlich zu bewerten ist. Sonst kann ich mir die Temperaturunterschiede auch nicht mehr logisch erklären. Als dann aber die lieben Nachbarn ihren Grill angeschmissen hatten und mir ein älterer Herr im T-Shirt auf dem Fahrrad entgegenkam, hab ich mich dann halt auch, Anfang März, vom Frühling verabschiedet. Was soll‘s.



Offensichtlich ist die Termperatur keine Richtline mehr.

Gegebenenfalls bin ich auch einfach zu beherrscht für Frühling. Mein Hormonhaushalt ist in Ordnung, ich habe meine Gefühle im Griff und aufblühen muss ich auch nicht. Flexibel wie ich aber ab und an mal bin, habe ich mich munter unter die Sonnenanbeter gemischt, eine flotte Sonnenbrille aufgesetzt, den Schal zu Hause gelassen und ein erstes Eis gegessen. Letzteres finde ich für März ganz schön mutig und rebellisch.

Einzig mein Kater verhält sich im Augenblick normal. Der genießt zwar die ersten Sonnenstrahlen, lässt mich aber alle 10 Minuten zur Balkontüre rennen, weil er sich aufwärmen möchte. Letzteres ist zwar ein der Temperatur angemessenes Verhalten, aber eigentlich beobachte ich ihn die ganze Zeit dabei, wie er aufgedreht wie ein Zicklein durch die Gegend hüpft und imaginäre Feinde jagt. Dem müsste eigentlich ausnahmsweise warm sein...

Jetzt muss ich aber schnell ans Telefon. Meine Schwester fühlt sich erkältet. Bin natürlich verständnisvoll und so. Bin mir sicher, es ist die fiese Grippewelle, die gerade ihr Unwesen treibt. Schließlich hat das ganze Wochenende über die Sonne gescheint.

Text: Stefanie Lehnert

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