Gemütlich war gestern.

  • Mittwoch, 01 Januar 2014 00:00
  • geschrieben von  Steffi

Eigentlich hatte ich vor, positiv ins neue Jahr zu starten. Ich hätte dann an dieser Stelle einen vor Energie sprühenden Motivationsbeitrag verfasst und wäre allen noch immer motzenden Mitmenschen ordentlich in den Hintern getreten. Aber ich möchte nicht.

Ich möchte motzend und schimpfend ins neue Jahr starten!

Ich will laut schreien, verbal ausfallend werden und meine niedrigsten Beschimpfungen loswerden. Und wenn ich dadurch mein sich versteckendes Karma aufwecke, ist es nur Recht so. Mit ihm mache ich dann gleich weiter.

Grundsätzlich betrachtet bin ich nämlich sehr nett. Ich quäle keine Tiere, ich habe noch keines meiner nervigen Nachbarskinder versehentlich über den Haufen gefahren oder schubse alte Menschen auf eisglatter Fahrbahn. Von mir bekommt man in 99 von 100 Fragen eine ehrliche Antwort und kann sich darauf verlassen, dass ich den untreuen Ex-Freund um die ganze Welt jage. Bis ich ihn finde.  


Ich gehöre nämlich zu dem verschwindend kleinen Teil der Menschheit, der tatsächlich noch aufrichtig und ehrlich ist.

So geschehen erst vor wenigen Wochen. Da bin ich nämlich schuldbewusst und mit ernster Miene aufs Rathaus marschiert, um zu beichten, dass ich mich hätte schon lange Ummelden müssen. Reaktion vor Ort: eher unfreundlich. Man könnte fast meinen, die Mitarbeiter des Rathauses waren seit Wochen vergeblich auf der Suche nach mir und haben zu Fuß sämtliche Wälder durchforstet. Vier Wochen später erhalte ich dann ganz überraschend einen Bescheid über 30,00 Euro Strafe. Fürs zu-spät-Ummelden. Sowas höre ich zum ersten Mal. Dabei hätte ich nicht einmal mehr nachweisen müssen, wann ich umgezogen bin.

Vermutlich musste man für mich erst einmal das entsprechende Formular bei der Bundesbehörde für schwerwiegende Verbrechen anfordern. Herzlich Willkommen in meiner Heimatstadt. Auf Wiedersehen Ehrlichkeit.

 

Ich bin sicher nicht gemütlich.

War ich noch nie. Vermutlich bin ich in den Augen vieler ein Unruhestifter. Aber es kann doch nicht sein, dass man sich durchs Leben kuschelt. Wie oft höre ich bemühte Entschuldigungen wie „So ist sie halt“ oder „Er ist Chef, er darf das“. Da mache ich nicht mit. Leute, die permanent mein friedliches Dasein stören, werden ausrangiert. Ich habe nur das eine Leben, ich möchte es mit netten Menschen verbringen. Wenn ich etwas nicht mag, dann sage ich es. Das Gleiche erwarte ich auch von anderen.

 

Natürlich ist man ein Unruhestifter, wenn man wagt, laut auszusprechen, was die meisten leise mit vorgehaltener Hand tun.

Aber versucht doch einfach mal einen Tag lang ehrlich zu sein. Es lohnt sich. Statt sich wochenlang über das Verhalten einer Freundin zu ärgern, sagt es ihr gleich. Vielleicht hat sie zu ihrer Verteidigung nämlich auch etwas zu sagen. Jeder erlebt Situationen anders und manchmal hilft es, sich zu erklären, statt sich Wochen später verteidigen zu müssen.Und ob ihr es glaubt oder nicht, trotz allem mag ich Harmonie sehr. Auch wenn ich gern mal Unruhe stifte. Aber lieber kuschel ich bei Freunden, als unter Feinden.

Deswegen mein friedlich gemeinter Rat: Startet 2014 laut, ehrlich und liebend. Dann wird sicher alles gut.

Text: Stefanie Lehnert

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