Einmal Panik, bitte!

  • Mittwoch, 23 Oktober 2013 00:00
  • geschrieben von  Steffi

Ich warte. Auf Depressionen, Panik, Altersschwäche. Aber es passiert nichts. Gar nichts. Dabei werde ich 30. Sogar sehr bald schon. Da müsste ich doch mindestens eines der Symptome haben. Ich müsste mir Sorgen machen. Über all die Dinge, die ich verpasst haben könnte und schnellstens nachholen muss, sollte meinen Körper auf Falten und Altersschwächen absuchen und zeitnah einen Zumba-Kurs im örtlichen Fitness-Studio buchen. Späßchen gemacht, so verzweifelt kann man nicht sein, um Zumba zu tanzen.

 

Dann mach ich mich doch einfach mal auf die Suche. Wo? In meinem bisherigen Dasein wird es auf jeden Fall einige Schwachstellen geben. Und dann kann ich endlich panisch werden.

Geburt:
War ich dabei, kann mich aber nicht so gut an Details erinnern. Denke mal, da lief alles gut. Für mich zumindest. Auf den Boden bin ich nicht gefallen. Da bin ich mir sicher.

Kindheit:
Ich hatte Barbies, war viel an der frischen Luft und wurde gesund ernährt. Dass ich familliär bedingt am Wahlstand der Grünen Sonnenblumen verteilt und friedlich gegen Atomkraft demonstriert habe, sehe ich als frühkindliche Prägung für die wichtigen Dinge im Leben  :-)

Jugend:
Anständig und brav. Vermutlich bin ich etwas nervig  gewesen. Eventuell habe ich auch etwas zuviel als Fan einer Musikband verbracht. Ohnmachtsanfälle inklusive. Jungs standen nicht unbedingt im Fokus, aber die sollte man  sich auch für später aufheben. Unerfahrenheit muss man nicht unbedingt abspeichern.

Zwanziger:
Puh, langes Kapitel, in den USA habe ich gelernt, Ich-zu-sein. Danke dafür. Dann erstmal fleißig gelernt, um Teil der arbeitenden Schicht zu werden. Erste Erinnerungen werden wach. In meinen goldenen Zwanzigern habe ich durchaus auf den Putz gehauen. Meine braven Zeiten hinter mir gelassen und die weite Welt entdeckt. Auch mit schlechten Erfahrungen, aber immerhin nicht unerfahrenen.

 

Und jetzt stehe ich also da, Ende zwanzig, keine Panik, gutgelaunt und voller Erwartungen.


Was mache ich wohl in den nächsten zehn Jahren? Eigentlich hatte ich immer vor, mit 28 Jahren am 21. Mai zu heiraten. Einen anderen Termin hatte ich an diesem Tag nicht. Hätte also klappen können. Vermutlich würde ich mich dann inzwischen um ein schreiendes Balg kümmern müsssen. Entschuldigung bitte, natürlich >>kümmern wollen<<. Hätte ich das denn wirklich wollen? Meine biologische Uhr tickt noch nicht laut genug, Kinder empfinde ich in den meisten Fällen als ziemlich anstrengend und die heiratsfähige Auswahl war bis dato auch nicht überragend.

Vielleicht bin ich deshalb so ruhig. Habe gewartet. Alles zu seiner Zeit erledigt. Bin keinen gesellschaftlichen Konventionen erlegen und mir treu  geblieben. Ja, ich bin zufrieden. Wenn ich jetzt noch einen Porsche zum Geburtstag bekomme und einen großzügigen Gutschein für die erste Botox-Behandlung bin ich wirklich zufrieden. Habe nämlich gerade beim Schreiben eine kleine Falte entdeckt.

Scheiße, was mache ich jetzt nur? Hat so spät noch ein Arzt Sprechstunde?

Text: Stefanie Lehnert

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