Mann: Maus oder Primat?

  • Sonntag, 14 Juli 2013 00:00
  • geschrieben von  Steffi

Liebe Männer, was ist eigentlich mit Euch passiert? Innerhalb kürzester Zeit durfte ich mir anhören, dass mir Laufen gut tun würde, ich mit bald 30 alt und meine Nagellackfarbe völlig daneben sei. Und wer sich jetzt gerade denkt, was regt sie sich auf, gut möglich, dass es ganz einfach stimmt, dem sage ich: Nein! Ganz sicher nicht. Aber du bestätigst meine Vermutung, dass sich die Männerwelt in Mäuschen und Primaten aufgeteilt hat.

 Erst mal zu den Mäuschen.

Ihr seid an eurer Situation nicht ganz alleine Schuld. Streng genommen, haben wir Frauen Euch zu dem gemacht, was ihr heute seid. Stundenlang haben wir Frauenmagazine studiert und uns den perfekten Mann gebastelt. Groß soll er sein, stark, aber nicht so sehr, dass es beim Kuscheln ungemütlich wird. Humorvoll, aber unter keinen Umständen auf Stammtisch-Niveau. Beschützen ja, natürlich nur mit Worten, die Hände soll er sich lieber für die Mithilfe im Haushalt aufsparen.

Ach ja, er soll natürlich auch unsere Interessen teilen. Fußball nur in Maßen, stattdessen Einkaufsbummel, Musical-Besuche und Frauenfilm-DVD-Abende bei Kerzenschein. Scheiße war das, und zwar so richtig. Jetzt krabbeln da draußen nur noch Mäuschen rum, die sich den Käse füttern lassen, statt ihn sich selbst zu holen. Von wegen Männlichkeit und Jagdinstinkt. Beides unterdrückt und bald vollends unterentwickelt.

 

Richtige Männer, gibt es nur im Kino.

Wenn wir Frauen uns mal trauen, einen actionreichen Film ohne Hugh Grant anzuschauen, dann sehen wir, was wir ganz sicher nicht mehr haben werden. Männer, die sich was trauen. Männer, die sich ohne pro- und kontra-Liste in Gefahr begeben, ganz gleich, wie es ausgeht. Männer, die um eine Frau noch kämpfen und sich nicht mit ihrem Wissen über angesagte Musicals bewerben. Aus dem gleichen Grund haben heute die „Bad-Boys“ unter den Männern den größten Erfolg bei Frauen.

In Wirklichkeit wollen wir nämlich keine Mäuse. Die mögen wir auch in der Tierwelt nicht. Also bitte, liebe Männer, lasst Euch nicht zusammen- basteln, seid doch einfach wieder normal. So wie ihr mal vorgesehen wart. Dann müssen sich Frauen wie ich nicht ständig vor all den Mäuschen vor Schreck auf den Stuhl retten. Aber bevor sich die Mäuschen jetzt anfangen wieder in Männer zu verwandeln, sollten sie bitte bis zum Ende lesen. Sonst verpassen sie womöglich den richtigen Moment und enden als Primaten.

 

Und jetzt die Primaten.

Die versuchen sich nämlich nur als „echte“ Kerle. Betonung auf versuchen, denn dabei bleibt es auch. Wir erinnern uns an mein hohes Alter, falsche Nagellackfarbe und mangelnde Bewegung. Und unter solchen Komplett-Ausfällen muss nicht nur ich leiden.

Der Kollege einer Freundin lässt diese mit dem freundlichen Hinweis „Das schaffst du schon“ den Karton mit zwölf Packungen Milch in die Gemeinschaftsküche im zweiten Stock tragen. Vermutlich hatte er mit der XXL-Gummibärchenpackung genug zu tun. Kürzlich mühte sich eine andere Freundin mit den Wochenendeinkäufen unter den wachsamen Augen des Freundes ab. Dieser kommentierte die Anstrengungen mit den Worten: „Vielleicht solltest du zweimal laufen, bevor etwas zu Bruch geht.“

 

Immer wieder gern gehört und gesehen.

Wo früher der Sieg oder die Niederlage des Fußballvereins diskutiert wurde, werden die miesen Hausfrauen analysiert. Die eine denkt zuviel – soviel Zuhören kann doch kein Mensch; die andere denkt zu wenig – man habe ihr das doch schon so oft erklärt und die andere könne ruhig mal lernen, wie Mutter früher daheim immer gekocht habe. Da muss man keine überemanzipierte Feministin sein, um sofort schreiend auf die Straße zu rennen. Vielleicht nicht gleich oben ohne, aber kurz davor. Ist es eigentlich so schwer, normal zu sein? Und zwar Mann. Keine Maus, kein Primat. Und wenn ihr das geschafft habt, dann werden auch hoffentlich die Frauen wieder normal. Legen die Bastelanweisungen in den Frauenmagazinen zur Seite und freuen sich wieder, Frau zu sein. Ich bin nämlich sehr gerne Frau.

Text: Stefanie Lehnert

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