Tatort – Laupheimer Immotionale Empfehlung

  • Sonntag, 09 November 2014 00:00
  • geschrieben von  vivum

Wie ein Garagentor und eine Sauna Frauen den Tag verderben kann. Vier weibliche Probantinnen besuchen die Immo.  Alle Damen sind über 30 Jahre alt, arbeiten in Führungpositonen, überdurchschnittliches Einkommen und wollen tatsächlich ein Haus bauen. Leger aber ordentlich gekleidet treffen wir uns vor dem Eingang. Der erste Eindruck war gut. Ein voller Parkplatz, tolle Location und viele Aussteller. Optischer Eindruck bei über achtzig Prozent der Stände: Man klatsche ein paar schlecht fotografierte Bilder an Tafeln – fertig ist der Messestand. Etwas Nachsicht liebe Damen, wir sind hier nicht im Shopping-Center. ;-) Gut gelaunt startet unserer Rundgang ...

WIR WERDEN NICHT BERATEN!
Warum eigentlich? Wir müssen die Verkäufer an Ihren Ständen aus ihren Privatgesprächen reißen, damit wir Fragen über Saunen, Garagentore oder auch Flachdachhäuser beantwortet bekommen.

Warum werden wir nicht beachtet? Wenn wir uns umblicken, sehen wir junge Paare mit Kinderwagen in unserem Alter. Auf die wird eingeredet. Uns bemerkt man nicht.


DIE BESTEN FRAGEN UND ANTWORTEN:
» Haben Sie auch ein Garagentor aus Milchglas.«
»     Naja wenn Sie sich das leisten können…“.
    (Ein geschockter Blick von unserer Probantin)
»     Das habe ich noch nie an einen Privathaushalt
    verkauft“.
»     Habe ich gesagt, dass ich ein Privathaushalt bin? «

... die Unterhaltung dauert an. Als wir den Verkäufer fragen, ob er eigentlich nichts verkaufen möchte, erzählt er uns die Geschichte von seinem Porsche-Händler, der ihn auch nicht bedienen wollte. Auch bezeichnete er eine unserer Probantinnen als aggresiv. Etwas unglücklich, da genau diese Dame vier Garagentore für ihre eigene Firma benötigt.

Das andere Team machte vergleichbare Erfahrungen. Wir setzten uns zusammen und entschieden uns für eine neue Strategie: Wir fragen so „freundlich“ wie wir empfangen wurden:

»     Gibt es diese Sauna auch in schön.«
»     Diese Sauna ist schön. Das ist unsere bestverkaufte Sauna.“.
»     O.K. Mir gefällt das Modell nicht. «

Unsere Dame beschreibt Ihre Wunschsauna. Die Antwort lautet, dass diese Saunen zu teuer sind. Hab ich meinen Kontoauszug vorgelegt? Nun folgte die Überzeugungsarbeit des Verkäufers, dass die ausgestellte Sauna toll ist und – ach Wunder – unserer Probantin gefällt die Sauna noch immer nicht. Sie hat noch immer die falsche Farbe und für Sie ist diese Sauna nach wie vor langweiliger Standard. Seine weibliche Verstärkung kam zu spät. Sie konnte das, was er zuvor zerstört hatte nicht mehr retten.

Trotzdem hatten wir drei wirklich tolle Gespräche. (Das müssen wir an der Stelle auch mal erwähnen).
Wir fragen uns, warum manche Aussteller Standgebühr bezahlen und an Frauen nicht verkaufen wollen?

Nach zwei Stunden haben wir unseren Besuch auf der Immo abgebrochen. Unsere Stimmung auf dem Nullpunkt und unser Respekt gegenüber den Ausstellern nicht mehr vorhanden.

Bei unserem Hausbauprojekt sind wir keinen Millimeter weiter gekommen. Die Aussteller, mit denen wir es zu tun hatten, sollten dringend einen Knigge-Kurs und eine Verkaufsschulung besuchen. Und – wer hätte es gedacht  – Frauen sind Menschen. Menschen die entscheiden, kaufen und das sogar ohne Mann.

Danke, dass Sie mit uns gesprochen haben, als hätten wir noch nie einen Stecker in die Steckdose gesteckt.
 
Übrigens: Wir sind alle keine Feministinnen. Null. Aber wir könnten zu welchen werden!

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  • Letzte Änderung am Samstag, 15 November 2014 19:43
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